Interview mit der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft

#Eisenbahn #InnoTrans2026 #Ausbildung

Steven & Buck - Elektromotoren Instandhaltung

Familienbetrieb mit Antrieb

Unser Kunde, die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft, hat mit Martin Hübner, einer der beiden Inhaber der Steven & Buck, für die Fahrgastzeitschrift o-ton das folgende Interview geführt, das in der o-ton 2/2026 erschienen ist: o-ton Archiv

Martin Hübner hält mit seinem Team die Elektromotoren der ODEG-Züge am Laufen

Steven & Buck Elektromaschinenservice ist ein Handwerksbetrieb mit Tradition. Das Familienunternehmen wird heute in vierter Generation geführt und hat sich auf die Reparatur von Elektromotoren spezialisiert. Was einst vor allem für Stahl- und Chemiewerke arbeitete, ist heute ein wichtiger Partner der Eisenbahnbranche. Seit 2024 unterstützt Steven & Buck auch die ODIG – Ostdeutsche Instandhaltungsgesellschaft mbH, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der ODEG. Im Interview spricht einer der beiden Inhaber, Martin Hübner, über Handwerk, Verantwortung und die Faszination, Elektromotoren ein zweites Leben zu schenken.

Steven & Buck repariert Elektromotoren für die Züge der ODEG. Was passiert bei Ihnen ganz konkret in der Werkstatt?

Elektromotoren werden bei uns gewartet und vollständig überholt. Zur Wartung gehören eine gründliche Reinigung sowie der Austausch von Verschleißteilen wie Kugellagern und Dichtungen. Bei einer Grundüberholung wird ein Motor bis auf die Stahlteile zerlegt und anschließend komplett neu aufgebaut. Die Kupferwicklungen werden neu gefertigt und montiert, Isolationsmaterialien eingebracht, elektrisch verschaltet und mit Harz behandelt. Danach wird der Motor montiert und lackiert. So wird aus Alt wieder Neu. In Leistung und Langlebigkeit steht er einem fabrikneuen Motor in nichts nach.

Ihr Unternehmen kommt ursprünglich aus der Stahl- und Chemieindustrie. Wie entstand der Schwerpunkt Eisenbahn?

Unsere beiden Standorte sind Traditionsbetriebe und haben immer Motoren für die Industrie repariert. Kleinere Motoren sind heute leider oft Wegwerfprodukte geworden. Größere Motoren werden weiterhin instand gesetzt. Gleichzeitig geht die Schwerindustrie insbesondere in Nordrhein-Westfalen seit Jahren zurück. Um die Zukunft unserer Betriebe und Arbeitsplätze zu sichern, investieren wir kontinuierlich in Werkzeuge, Prüfgeräte und Maschinen. Die Eisenbahn ist für uns die passende Branche. Die Qualitätsanforderungen sind hoch, und genau das macht uns aus. Die Branche wächst auch in schwierigen Zeiten.

Instandhaltung von Elektromotoren

Seit 2024 arbeiten Sie mit der ODIG in Brandenburg zusammen. Wie kam der Kontakt zustande?

Auf der Messe InnoTrans in Berlin wurde seitens der ODIG ein technisches Problem mit speziellen Lüftern angesprochen. Ein halbes Jahr später haben wir das Thema in der Werkstatt vertieft und wenige Tage danach lagen die ersten Teile bei uns auf dem Tisch. Pragmatisch und unkompliziert im Ablauf, aber mit höchstem Qualitätsanspruch in der Technik – das macht Spaß.

Wie haben Sie den ersten Besuch in der ODIG-Werkstatt in Eberswalde erlebt?

Sehr menschlich. Sowohl Arne Dietrich, der ODIG-Projektleiter für Schwere Instandhaltung, als auch ich sind Modelleisenbahnfans. Wir haben beide Modelle derselben Marken zu Hause. Deshalb haben wir erst kurz über Modelleisenbahnen, dann zwei Stunden über echte Eisenbahnmotoren und zum Schluss noch kurz über das Formelle gesprochen. Für mich war das die perfekte Mischung.

Wie gehen Sie damit um, wenn eine Reparatur schnell, aber gleichzeitig zuverlässig erfolgen muss?

Ein großer Teil unserer Arbeit besteht aus planbaren Instandhaltungen. Notfälle können wir flexibel einschieben. Wichtig ist, dass wir sämtliche Arbeiten in unserer eigenen Werkstatt durchführen können und nicht von externen Dienstleistern abhängig sind. Gleichzeitig halten wir einen großen Bestand an Ersatzteilen vor. Was nie geschehen darf, sind zwei Dinge: Wir dürfen weder die handwerkliche Sorgfalt verlieren noch auf Prüfläufe und Qualitätskontrollen verzichten.

Steven & Buck Handwerk und Tradition

Was zeichnet die Zusammenarbeit mit der ODIG aus?

Die ODIG betreut eine sehr breite Zugflotte. Und in jedem Triebfahrzeug stecken viele unterschiedliche Antriebe – vom Scheibenwischer bis zum Fahrmotor. Das macht die Arbeit abwechslungsreich. Menschlich schätzen wir die unkomplizierte und offene Zusammenarbeit. Die Wege sind kurz und die Kommunikation ist direkt und auf Augenhöhe.

Welche Verantwortung spüren Sie bei Ihrer Arbeit für die Eisenbahn?

Sie macht einen großen Teil des Reizes aus. Uns ist wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, welchen Beitrag wir leisten. Wenn in einem Regionalzug morgens zwei Türantriebe ausfallen, kann der Zug ausfallen und Tausende Menschen kommen zu spät zur Arbeit oder in die Schule. Als Zulieferer indirekt Teil dieses Systems zu sein, macht uns stolz.

Welche Rolle spielt Reparatur beim Thema Nachhaltigkeit?

Eine sehr große. Die Reparatur eines Elektromotors benötigt nur einen Bruchteil der Energie, die für die Herstellung eines neuen Motors erforderlich wäre. Auch wenn wir dafür energieintensive Verfahren einsetzen, sparen wir erhebliche Mengen CO₂ ein. Die Größenordnung ist beeindruckend. Reparieren ist deshalb nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch nachhaltig.

Steven & Buck wird in vierter Generation geführt. Was ist über all die Jahre gleich geblieben?

Der hohe Stellenwert der Ausbildung. Ein Großteil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat bereits die Ausbildung im Betrieb absolviert. Einer unserer Kollegen feiert in Kürze 55 Jahre Betriebszugehörigkeit und unterstützt aktuell die Ausbildung von fünf Auszubildenden. Dieses Wissen weiterzugeben, ist für uns enorm wichtig.

Welche Entwicklungen in der Bahnbranche finden Sie besonders spannend?

Wir arbeiten gleichzeitig an Technik aus den 1970er-Jahren und an modernen Systemen, die erst wenige Jahre alt sind. Diese Gleichzeitigkeit von Technik mit einem Altersunterschied von mehr als 50 Jahren fordert uns täglich heraus. Besonders spannend ist, dass die Reparatur moderner Systeme durch die zunehmende Elektronik künftig eher noch komplexer wird.

Hat sich Ihr Blick auf Züge verändert, wenn Sie selbst Bahn fahren?

Ich höre genauer hin. Früher bestand ein Zug oft aus einer Lokomotive und Anhängern. Heute sind die Fahrmotoren über den gesamten Zug verteilt. Diese Antriebe kann man hören. Ob sie eine Wartung brauchen, kann ich allerdings noch nicht erhorchen.

Vielen Dank für das interessante Interview, lieber Herr Hübner.